Impulse für den Alltag

1»Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen. Sonst habt ihr von eurem Vater im Himmelkeinen Lohn mehr zu erwarten.«

2»Wenn du also den Armen etwas gibst, häng es nicht an die große Glocke! So verhalten sich die Scheinheiligen in den Synagogen und auf den Straßen, damit die Leute sie bewundern. Amen, das sage ich euch: Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen.3Wenn du den Armen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut. 4So bleibt deine Gabe im Verborgenen. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.«

5»Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Scheinheiligen: Sie stellen sich zum Beten gerne in die Synagogen und an die Straßenecken – damit die Leute sie sehen können. Amen, das sage ich euch: Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen. 6Wenn du betest, geh in dein Zimmer und schließ die Tür. Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.

Fasten bedeutet, auf Nahrung zu verzichten. Ganz bewusst! Zur Zeit des Alten Testaments gehörte das Fasten fest zum Leben einer Gemeinde. Regelmäßig gab es Fastentage, um Buße zu tun. Fasten als Zeit sich der eigenen Fehler bewusst zu werden, sich selbst in Frage zu stellen und sein Leben zu korrigieren, um es auf Gott hin zu leben. Für das Fasten gab es bestimmte Riten, bestimmte Handlungen, die dazugehörten: Es wurde sich im Staub oder in Asche gewälzt oder damit beworfen, Kleidung wurde zerrissen oder man hat sich kasteit (V 5), auf die Brust geschlagen, das Haar geschoren. In der Öffentlichkeit wurde gezeigt, dass man die Handlungen, die zum Fasten gehörten, korrekt durchführte. Ich will den gläubigen Menschen des Alten Testaments nichts unterstellen, aber wenn man den Propheten glauben darf, dann verkrustete das Fasten bei manchem und mancher zu hohlen Schein. Die Fassade stimmt, aber ja dahinter war nichts. Und das ist vielleicht die Gefahr, die hinter jedem Ritual steckt. Wir beten zu Mittag immer das gleiche Gebet und manchmal höre ich mich und frage mich: „Bin ich mit dem Herzen dabei oder ist das jetzt nur eine Litanei?“

Die Reformierten noch viel stärker als die Lutheraner haben das Fasten deshalb aufs Korn genommen. Aus ihrer Sicht verfehlte das Fasten sein ursprüngliches Ziel.  Deshalb gab es schon zur Zeit der Reformation öffentlichkeitswirksame Proteste: Im März 1522 kam es zu einem bis heute legendären Protest gegen dieses Fasten. In Zürich traf sich im Beisein des Schweizer Reformators Zwingli eine Gruppe zum Wurstessen. Als das bekannt wurde, leitete der Züricher Rat eine Untersuchung ein. Unruhen und Diskussionen folgten. Sie endeten letztlich in dem, was bis heute für uns gilt: Gottes Liebe kann man sich nicht mit Fasten verdienen.

Na, wie steht es heute mit dem Fasten für Sie und mich? Wollen Sie fasten und wenn ja, was und warum?

Viele Menschen sagen: „Ich verzichte jetzt mit Corona schon auf so vieles, was mir lieb ist: Konzertbesuche, Reisen, Freunde treffen… Ich kann/nein ich will nicht auf noch mehr in diesem Jahr verzichten. Fasten – dieses Jahr – einmal pausieren.“

Andere fasten, aber aus ganz weltlichen Gründen: die Hose wird zu eng, so viel Süßes ist gar nicht gesund. Für mich geht es in dieser Fastenzeit um etwas anderes, ich will kein Weg von, sondern Hin zu.

Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!  

In meiner Kammer, im Wald, …wo auch immer: Ich will meinen Weg durch diese Fastenzeit bewusst mit alten und neuen geistlichen Liedern, Bibeltexten, Meditationen gehen, die mich berühren, vielleicht wieder etwas Neues in mir zum Klingen bringen. 

Ich nehme mir für diese Begegnung Zeit. AMEN