Auf ein Wort: Das neue Jahr 2020

Sprüche 16: (1) Der Mensch setzt sich's wohl vor im Herzen; aber vom HERRN kommt, was die Zunge reden wird.  Einen jeglichen dünken seine Wege rein; aber der HERR prüft die Geister. Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen… (9) Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Die beiden Eheleute können es noch gar nicht fassen. Sie sind noch völlig von den Socken. Ja, sie ist schwanger. Als sie das Ziehen in der Brust spürte, befürchtete sie: Oh Gott, ist das was Ernstes? Und dann sagte die Ärztin: „Freuen Sie sich! Sie sind schwanger.“ Die Ärztin konnte es selbst nicht glauben. Hat sie doch den ganzen Stress mit den ersten beiden Schwangerschaften mitbekommen. „Sie können auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen.“ hieß es damals.

Die Beiden wollten aber unbedingt eigene Kinder. Sie lieben Kinder so sehr. Und was haben sie dafür nicht alles getan: Spritzen, Tabletten, Sex nach Fahrplan und schließlich der Eingriff in der Klinik. 

Bei dem Zweiten, hatte die Frau schon gedacht, das hält sie nicht mehr aus. Aber sie wollten doch für ihre Tochter noch ein Geschwister und beim ersten Mal hatte es doch dann auch geklappt. Also noch einmal die ganze Tortur. 

Jetzt ist sie 31. Ein drittes Mal hätte sie die künstliche Befruchtung auf keinen Fall mehr durchgehalten. An ein drittes Kind war nicht zu denken, also haben sie nach dem Zweiten alle Kinderklamotten verschenkt. Und jetzt ist sie einfach so schwanger. Wenn sie ihre Geschichte erzählt, dann staunt sie – noch heute: „Das ist ein bisschen wie ein Wunder.“

Liebe Leser*in, 

auch Sie und ich haben eine Vorstellung davon wie unser Leben verlaufen soll: Sehnen Sie sich nach einem liebevollen Partner oder sind Sie mit Ihrer Beziehung glücklich oder sind Sie mit ihrem Leben als Single zufrieden? Vielleicht sagen Sie sich: Kinder- hmm, würde ich mir schon wünschen oder Sie sind zufrieden mit Ihren Kindern. Vielleicht ist in Ihrer Lebensplanung für Kinder grad kein Platz, weil der Beruf ihr Leben bestimmt.

Ja überhaupt – Beruf- wie soll es da im Jahr 2020 weitergehen? 

Auch wenn ich mich heftig dagegen wehre, spurlos geht der Jahreswechsel nicht an mir vorbei. Auch wenn ich es unnütz oder überflüssig finde, große, wortreiche Vorsätze zu fassen. Irgendwie verbreitet das Neue Jahr doch eine gewisse Spannung. 

Am Anfang dieses neuen Jahres hören wir aus den Sprüchen einen verheißungsvollen Satz: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Ich glaube, dass diese Weisheit mit ganz unterschiedlichen Ohren gehört werden kann, je nachdem wie ich selbst gestimmt bin. Wenn ich selbst Kummer habe oder unsicher bin, dann verunsichert er mich. Der Volksmund fasst diese Weisheit zusammen und sagt: Der Mensch denkt, Gott lenkt. „Ja bin ich denn nicht mehr Herr oder Frau meines Lebens?“ Möchte man dann gern widersprechen. Wenn alles denken und planen keinen Sinn hat, weil Gott es mit mir macht, was er will. Wozu lässt er mich dann denken und planen? 

Andererseits, wenn Sie an die Anfangsgeschichte denken: Ich werde als Handelnder meines Lebens in Verantwortung genommen, aber gleichzeitig handelt Gott durch mich. Ich bin ganz Ich und zugleich bin ich Sein Instrument.

Die Weisheit, finde ich, beschreibt sehr gut, was das Leben manchmal lehrt: Es geht um Ihre und meine Grenzen und unsere Souveränität. Einerseits kann ich mein Leben in die Hand nehmen, mir Mühe geben in der Schule, in der Ausbildung, im Beruf und ich tue das in der Hoffnung, dass meine Bemühungen belohnt werden: Dass ich eine Stelle finde, die mich erfüllt, dass ich beruflich Erfolg habe. Aber andererseits kann ich erleben, dass alle meine Bemühungen keine Früchte zeigen, dass der Chef oder Vorgesetzte nicht wertschätzt, was ich leiste, dass ich scheinbar nicht in das Schema des Arbeitsmarktes und seiner Anforderungen passe. Ähnliche Enttäuschung erlebt mancher auch im Hinblick auf seine Beziehung: Trotz dem, dass er sich so bemühte, ging die Ehe zu Bruch, war ein anderer attraktiver, ging der geliebte Mensch davon. Die Weisheit beschreibt an der Stelle sehr gut den Zwiespalt, den ich erlebe: Auf der einen Seite habe ich Ziele und Pläne, Vorstellungen davon wie mein Leben verlaufen soll und ich tue alles dafür, auf der anderen Seite erlebe ich manchmal wie meine Pläne durchkreuzt werden, wie ich trotz heftiger Bemühungen nicht an das erwünschte Ziel komme. Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Für mich ist das kein Satz, der mich resignieren lässt: Vielmehr macht er mir bewusst, ich will, kann und muss mit Gott rechnen in meinem Leben, bei meinen Ängsten, Fragen und bei meinen Hoffnungen. 

Ihre Dekanin
Christiane Murner