Gedanken zur Weihnacht 2021

"Fürchtet Euch nicht!" - Jesu Geburt: aus Angst wird Freude, aus Unheil wird Heil, dem Streit folgt Versöhnung

„Bla, bla, bla… alle Jahre wieder…“ – so beschreibt ein Jugendlicher seine Eindrücke von Weihnachten auf WhatsApp. „Ich habe dieses oberflächliche Fest-der-Liebe-Geschwafel so satt! Und dieses Gerenne um immer mehr Geschenke… Mit Weihnachten hat das doch nichts zu tun, oder? Die Hirten damals waren doch arme Schlucker. Die haben damals doch sicher nicht an Geschenke gedacht oder? Warum sagen Sie das den Leuten nicht?“

Nun, lieber Leon (Name geändert), ich will es versuchen – weil auch andere Menschen sich das fragen. Wir machen dazu einen „Zeitsprung“ auf die Felder von Bethlehem – in jene Nacht als Jesus geboren wurde:

Es ist Abend. Die Hirten sitzen beim schwachen Schein ihres Feuers. Sie gehen ihren Gedanken nach. Schon als Kinder waren sie mit ihren Schafen gezogen, wie ihre Väter und Großväter. Seit Generationen hatten sie ihr Schicksal getragen. Ja, sie waren arme Schlucker.

Doch diese Nacht veränderte ihr Leben: Sie sehen das Licht, das plötzlich über sie kommt. Sie hören die Worte des Engels, der zu ihnen spricht – ja, ein Bote Gottes spricht ausgerechnet zu ihnen! Sie reiben sich die Augen. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus. Von Engeln hatten sie gehört, aber dass die ausgerechnet zu ihnen kommen? Auf die Geburt des Messias hatten sie gehofft, aber ausgerechnet in diese kalte und dunkle Nacht sollte er hineingeboren werden?

Zurück nach Neumarkt. Die Hirten damals haben dem Engel geglaubt. Sie haben das neugeborene Kind in der Krippe gesucht und gefunden. Ob sie Geschenke dabei hatten, weiß ich nicht. Kann ich mir aber gut vorstellen. Denn oft sind Menschen, die weniger haben freigiebiger als andere.

Und wir? Nehmen wir wahr, dass Weihnachten mehr ist als „Bla, bla, bla…“ alle Jahre wieder? Die Geburt von Jesus markiert nicht nur den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Geburt des Sohnes Gottes stellt vielmehr so manches auf den Kopf: Aus Angst wird Freude, aus Unheil wird Heil, dem Streit folgt Versöhnung, in das Dunkel kommt Licht, Trauer wird getröstet. Genau danach sehnen sich viele Menschen in dieser Zeit. Weil sie sich in einer inzwischen gespaltenen Gesellschaft sehen, die sich in Lager trennt, die nicht selten Familien und Freundschaften auf eine Zerreißprobe stellen. Und nicht alle Beziehungen sind dieser Herausforderung gewachsen.

Doch Frieden und Versöhnung sind möglich, wenn wir die Botschaft des Engels für uns persönlich hören und annehmen: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk (auch Dir!) widerfahren wird. Denn Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Martin Hermann
Pfarrer u. stv. Dekan