Auf ein Wort: April 2020

Unsere Nachbarin steht in der Schlange beim Gemüsestand hinter mir. Ihr Mann arbeitet als Pfleger auf einer Intensivstation. „Wie geht es euch denn? Ich hab die letzten Tage immer wieder an euch gedacht.“, frage ich sie. Die Tränen schießen ihr in die Augen: „Es ist für meinen Mann noch stressiger als sonst. All die Vorbereitungen für den Ernstfall, die Anspannung, nichts falsch zu machen, und womöglich schon erste infizierte Patienten. Und dann noch die Kinder zuhause, die irgendwie die Angst auch spüren. Sie dürften ja noch raus und draußen spielen, aber irgendwie trauen sie sich nicht aus dem Grundstück.“ Ihr Kummer und ihre Angst tun mir weh, am liebsten hätte ich sie jetzt in den Arm genommen. Geht nicht in Zeiten von Corona. Was bleibt? Ein langer Blick in die Augen und mein Mitgefühl: „Ich würde Sie so gern jetzt in den Arm nehmen. Sie müssen jetzt ganz schön viel aushalten. Die Anspannung von ihrem Mann und die nicht ausgelasteten Kinder. Gestern Nachmittag musste ich lachen, euer Garagentor muss ganz schön viel Fußballspielen von den Jungs aushalten. Aber das macht mir nichts, seien Sie sich da ganz sicher. Ich denk immer wieder an sie und bete für Ihren Mann und Ihre Familie abends, wenn um halb acht die Glocken läuten.“ Erleichtert lächelt sie mich an, wenigstens um den Lärm beim Fußballspielen im Hof muss sie sich keine Gedanken machen. Und wie gut, dass da jemand für sie betet.

In der Lesung aus dem 2. Buch Mose für heute versucht Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, die ursprünglich bösen Gedanken soll er fallen lassen und sich vielmehr darauf besinnen, dass er sein Volk liebt: „Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es für immer besitzen.“ 

Die derzeitige Pandemie ist keine Strafe Gottes, da bin ich mir ganz sicher. Denn Gott schafft das Leben und bejaht es in all seinen Stadien. Und er verspricht meiner Nachbarin, ihrem Mann und den Kindern, dass er uns liebt und aus dieser Krise wieder herausführen wird. Als Prüfung mögen manche diese Situation empfinden, ja als Belastungsprüfung für die Mitarbeiter*innen z.B. in den Krankenhäusern, für die Familien und für die Nachbarschaften. Umso mehr ist gefragt, dass wir am Leben der Anderen Anteil nehmen und für sie beten.