„Bereitet dem Herrn den Weg! Denn siehe, Gott kommt gewaltig.“, setzt der Prophet am dritten Advent dem entgegen.
Im Gegensatz zu „Wir machen den Weg frei“, werde ich aufgefordert, aktiv zu werden: „Tu du das Deine, denn Gott kommt bei dir an.“
Gott kommt bei uns an – im wahrsten Sinne des Wortes. Er will Sie und mich berühren, durch die Musik und durch die Menschen, die sich nach unserer Zuneigung und Zeit sehnen. Sie wollen von uns gesehen werden.
Darum wende ich mich heute an Sie. Mich bedrückt, dass Frauen und Männer, die sich haupt- oder ehrenamtlich für unser Gemeinwohl engagieren, angefeindet werden. Fassungslos höre ich den rauen Ton und die Geringschätzung gegenüber denen, die doch so wichtig für uns alle sind: Polizistinnen, Richter, Politikerinnen… - Sie alle brauchen unseren Rückhalt und Respekt für unseren Frieden.
Mit meinen Fragen und Ängsten, mit meiner Sehnsucht nach Frieden konfrontierte ich Gott. Manchmal scheint mir der Weg zu ihm versperrt. Ich dringe nicht durch, stehe mir selbst dabei im Weg. Dabei fordert der dritte Advent auf: Gib Gott Raum!
Die jüdische Schriftstellerin Etty Hillesum schreibt 1941 sehr treffend: „In mir gibt es einen ganz tiefen Brunnen. Und darin ist Gott. Manchmal ist er für mich erreichbar. Aber oft liegen Steine und Geröll auf dem Brunnen und dann ist Gott begraben. Dann muss er wieder ausgegraben werden.“
Gott Raum geben in diesen Advent-Tagen - ihm dem Weg bereiten.
Nicht nur in der Kirche, sondern auch beim Chatten, am Stammtisch - das führt wirklich ins Weite und hilft den Alltag miteinander zu bewältigen.
Gott begegnet uns in der Kirche, der Natur, der Musik und wahrscheinlich in jedem Gespräch, wo wir ihn einlassen.
Geben wir ihm Raum.
Dekanin Christiane Murner
