Von Sperrsitzen, Puzzleteilen und videoüberwachten Kirchenkassen

Im Rahmen des Konvents der Pfarrer/innen und Mitarbeitenden des Evang.-Luth. Dekanatsbezirks Neumarkt i.d.OPf. im Oktober 2018 in Mecklenburg, erhielt die Referentin für Fundraising Stefanie Finzel interessante Einblicke, wie das Spendensammeln in einer anderen Landeskirche von Statten geht – früher und heute.

Sperrsitz in Güstrow

Historische Sperrsitze im Schweriner Dom (siehe Foto oben) legen Zeugnis darüber ab, dass bereits in früheren Jahrhunderten Kirche und Geld in einem engen Zusammenhang standen. Wer einen bestimmten Obolus entrichtet hatte, erhielt einen festen Platz in den vorderen Kirchenreihen, sein persönlicher Sitz wurde „entsperrt“. 

Doch auch im nichtkirchlichen Bereich ist man auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Das zeigen große, transparente Spendenwürfel im Ernst Barlach Museum in Güstrow (siehe Foto unten).

Hier lebte und wirkte Barlach (*1870, ᶧ1938) rund dreißig Jahre seines Lebens. Aufgrund seiner offenen Kritik an den Ideen der Nationalsozialisten stempelte man seine Werke als „entartete Kunst ab“. Heute zählt man ihn als Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner zu den berühmtesten Vertretern des Realismus und Expressionismus nicht nur in Deutschland. Einige seiner Werke wurden daher auch ins Gesangbuch der Bayerischen Landeskirche aufgenommen.

Der Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl feierte der Neumarkter Konvent in der Kirchengemeinde Neuburg. Neuburg ist bereits seit mehreren Jahrzehnten eine Partnergemeinde von Sulzkirchen im Dekanatsbezirk Neumarkt i.d.OPf.. Die örtlichen Zusammenlegungen zu einem Gemeindeverbünden, die Vereinigung der drei norddeutschen Landeskirchen zu einer „Nordkirche“ und nicht zuletzt die aktuellen Probleme des demografischen Wandels sowie des fehlenden Nachwuchses im Predigtamt sind große Herausforderungen, - nicht nur für diese Kirchengemeinde. Trotz der Unterstützung der Mecklenburgischen Landeskirche durch die Bayerische Landeskirche in Höhe von jährlich 419.000 Euro, kommt es auf jeden gespendeten Euro an. Zusätzliche Einnahmequellen versucht man in Neuburg durch den Verkauf von Büchern, Karten und Kerzen zu akquirieren, was wiederrum trotz täglicher Leerung der Kasse einen besonderen, videoüberwachten Schutz erforderlich macht (siehe Foto rechts). 

Im Güstrower Dom wird versucht, über freiwillige Eintrittsgelder und konkrete Spenden für Menschen in sozialen Notlagen an zusätzliche finanzielle Mittel zu kommen (siehe Fotos).

Die Kirchengemeinde der Evang.-Luth. St. Paulskirche in der Landeshauptstadt Schwerin hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Slogan „Spenden Sie Licht für St. Paul“ bittet der „Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit“ für die Beleuchtung der Kirche in Form eines Puzzles um Spenden. Ein Puzzleteil kann für 100 Euro erworben werden, man hat also im Wortsinne die Möglichkeit, sehr konkret „seinen Teil“ dazu beizutragen. Gleichzeitig ist der Zustand des Puzzlebildes das Spendenbarometer, durch das der aktuelle Spendenstand sichtbar wird (siehe Foto).

Diese Beispiele zeigen, dass in der Mecklenburgischen Landeskirche wie auch in Bayern ganz unterschiedliche Wege beschritten werden, um kirchliche Projekte zu finanzieren. Hier wie dort engagieren sich Menschen mit Herz und Kreativität. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass sowohl im finanziellen Bereich wie auch mit Blick auf die Kirchenmitgliedszahlen (noch) gravierende Unterschiede bestehen. Grund genug für die Fundraiserin gleichermaßen erfüllt und dankbar an ihren Arbeitsplatz in Neumarkt i.d.OPf. zurück zu kehren. (S.F.)