Kirche will weg von Dauerzuschüssen
Landesbischof Bedford-Strohm: Jährliche Staatsgelder für Spitzenpersonal sind nicht mehr zeitgemäß
NÜRNBERG — Die evangelische Landeskirche will über die jährlichen Zuschüsse in Millionenhöhe, die sie vom Freistaat bekommt, neu verhandeln. Sie wartet nun auf ein Signal der Staatsregierung.
Eine entsprechende Andeutung machte der neue Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei einem Besuch im Nürnberger Presseclub. Es sei vor allem nicht mehr ganz zeitgemäß, dass die Kirchenleitung mit dem Bischof an der Spitze aus Steuermitteln hohe Summen bekäme.
Johannes Minkus, Sprecher der Landeskirche, hat die Aussage gestern auf Anfrage der NN präzisiert. In den kirchlichen Haushalt fließen jährlich rund 22 Millionen Euro — die katholische Kirche bekommt 65 Millionen Euro — aus dem Staatssäckel. Eine Pauschale in Höhe von 20 Millionen Euro ist für die Seelsorge bestimmt, das heißt, sie fließt in die Bezahlung von Pfarrern mit ein. Diese Summe steht auch für die Kirche außer Diskussion. Es geht lediglich um die zwei Millionen Euro vom Freistaat für die Kirchenleitung, also Landesbischof, Oberkirchenräte und Landessynode.
Von heute auf morgen verzichten möchten die Protestanten nicht, sie sind aber bereit, über eine einmalige Ablöse zu sprechen. „Da müsste allerdings der Staat auf uns zukommen“, betonte Minkus, „wir würden uns Verhandlungen nicht verschließen.“ Wie hoch eine solche Ablösesumme sein könnte, darüber wollte der Kirchen-Sprecher nichts sagen. „Da nennen wir einen Betrag, wenn es so weit ist.“
„Summe nicht darstellbar“
Beim Freistaat ist das Kultusministerium für diese Angelegenheit zuständig. Dort hieß es, eine einmalige Ablöse sei nur für die beiden großen Kirchen gleichzeitig denkbar. Es gehe dabei um einen Betrag, der das 20- bis 25-fache der bisherigen Jahres-Zahlungen ausmacht. Vor allem für die katholische Kirche gehe es dann um Summen, „die im Staatshaushalt schwer darstellbar wären“, sprich: Das gilt als unbezahlbar.
Über die Kirchenzuschüsse wird in mehreren Bundesländern, die zusammen fast eine halbe Milliarde Euro überweisen, mehr oder weniger heftig diskutiert. Die Zahlungen sind unter anderem eine Entschädigung für Anfang des 19. Jahrhunderts enteigneten Kirchenbesitz.
Landesbischof Bedford-Strohm berichtete in Nürnberg auch von zurückgehenden Kirchenaustrittszahlen. Von Januar bis Oktober 2010 hatten gut 17000 Menschen der evangelischen Kirche in Bayern den Rücken gekehrt. Im gleichen Zeitraum 2011 waren es noch knapp 14000. Für den Bischof sind Kirchenaustritte nichts Ungewöhnliches. Angesichts der Tatsache, dass heute jeder über eine Mitgliedschaft frei entscheiden kann, sei die Lage „sensationell“.
MICHAEL KASPEROWITSCH

Neumarkter Nachrichten vom 08.12.2011 - S.17