Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Neumarkt i.d.OPf.

Ehrenamtliche „geben der Caritas ein Gesicht“
Doch immer weniger Freiwillige lassen sich auf den Dienst ein, Spenden an der Haustüre zu sammeln


Für Caritas und Diakonie sind Spen­den sehr wichtig. Hilfe für arme Men­schen, aber auch die sozialen Ange­bote der christlichen Einrichtungen wie beispielsweise Beratungsstellen werden damit finanziert. Doch nun gehen den Organisationen die Ehren­amtlichen aus, die traditionell von Haustür zu Haustür gehen und Geld sammeln. Denn: Ausreichender Nach­wuchs ist nicht in Sicht — und eine Lösung des Problems ebenso wenig.

NEUMARKT — „Die Ehrenamtli­chen sterben weg, junge Menschen interessieren sich für andere Dinge“, fasst Karl Ferstl vom Caritasverband der Diözese Eichstätt die Situation zusammen. Während des Jahres gibt es bei der Caritas zwar keine großen Sammelaktionen, aber im Frühjahr und im Herbst schwärmen zahlreiche Ehrenamtliche aus, um von Haustür zu Haustür zu gehen.
„Das ist keine leichte Aufgabe“, sagt der 55-Jährige. Denn oftmals müssen sich die Sammler böse Kom­mentare anhören, viele Menschen seien auch skeptisch, wenn ein Frem­der um Geld bittet, sagt Ferstl.


Dauerhaftes Engagement

Gerade deshalb sei es wichtig, dass es Sammler gebe, die das Ehrenamt gern übernehmen — und auch dauer­haft. „Wenn ein Spendensammler jedes Jahr kommt, ist er bekannt, dann öffnen sich auch die Türen“, so Ferstl. Und nicht nur die Türen, son­dern auch der Geldbeutel öffnet sich dann vielleicht leichter.
Allein in der Diözese Eichstätt sam­melt die Caritas jährlich — Frühjahrs­und Herbstsammlung zusammenge­fasst — rund eine Million Euro. Rund 400000 Euro bleiben in den Pfarreien. 600000 Euro werden nach Eichstätt überwiesen.
Von dem Geld wurde heuer bei­spielsweise eine Schuldnerberatungs­stelle speziell für Teenager und junge Erwachsene eingerichtet.
Um dem Problem entgegenzuwir­ken, setzt die Caritas jetzt auf Spen­denbriefe und Überweisungen. „Das ist nicht die optimale Lösung“, gibt Ferstl zu. Aber derzeit wisse die christ­liche Organisation nicht, wie sie vor
allem junge Menschen zum Mitarbei­ten motivieren könnte.
In dem Spendenaufruf schreibt der Caritasdirektor ein paar Zeilen zu einem aktuellen sozialen Thema. In diesem Jahr sollen behinderte Men­schen unterstützt werden. „Kein Mensch ist perfekt“, lautet das Motto. Menschen sollen begreifen, wie wich­tig Hilfe und Unterstützung sind — und auch im Alltag mit dem Thema sensibler umgehen.
Damit das gelingt, sei es wichtig, den persönlichen Kontakt zu pflegen, unterstreicht Ferstl. „Das A und O unserer Sammlungen sind die Ehren­amtlichen, die der Caritas ein Gesicht
geben.“ Andersherum können die Sammler ebenso Gutes tun. Wenn sie an die Haustür kommen, sehen sie zum Beispiel, wenn Hilfe benötigt wird und können dem Pfarrer vor Ort berichten, der sich wiederum der Men­schen dann annehmen kann.
In diesem Jahr hat der Caritasver­band einen Mann geehrt, der schon seit 51 Jahren sammelt. Ein solches Engagement finde man heute nicht mehr, so Ferstl. Die persönliche Lebenswelt sei heute eine andere, die geringe Freizeit lasse kaum mehr Raum für weitere Beschäftigungen. Das Ehrenamt muss meist hintanste­hen.
Beim evangelischen Pendant, der Diakonie, sieht es nicht besser aus. Das bestätigt Daniel Wagner, Presse­sprecher der Diakonie Bayern. Auch hier fehlen die Ehrenamtlichen. Die Sammlungen sind allerdings Pflicht und müssen zweimal im Jahr durchge­führt werden.
Die Diakonie behilft sich nun ver­stärkt ebenfalls mit schriftlichen Auf­rufen. In Neumarkt gibt es keine Ehrenamtlichen, die die Haussamm­lungen übernehmen. Hier wird im Gemeindebrief zum Spenden aufgeru­fen. Und das habe sich bewährt, heißt es aus dem Dekanat.
MELANIE KUNZE


Neumarkter Nachrichten vom 24.11.2011 - S. L01